Samstag, 28. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #21

Und wieder fängt der Sommer an, und ich versuche mich als Gärtnerin. Vielleicht ist ja dieses Jahr mein Glücksjahr - bis jetzt zumindest sehen Tomate und Kürbis noch ganz lebendig aus. In den letzten Jahren war es damit relativ schnell vorbei. Dieses Jahr werde ich die Tomaten nicht auf dem Balkon aussetzen, sondern auf dem etwas sonnigeren Fensterbrett. Vielleicht hilft das ja. Und ansonsten hab ich immer noch meine Erdbeeren, die zuverlässig wie jedes Jahr ihre drei Früchte tragen...

Dann habe ich das erste Mal im Leben meinen Schlüssel vergessen. Ehrlich, ich habe schon alles vergessen und verloren, was es zu vergessen und verlieren gibt, aber niemals niemals meinen Schlüssel. Dummerweise an dem Tag, an dem Herr M. früher auf Arbeit musste, also musste ich eine Odyssee quer durch Leipzig absolvieren und aus lauter Frust und Zeitnot Currywurst mit Pommes zum Mittag essen. Es war schrecklich.





So sieht das aus, wenn ich einen "freien" Tag habe - ich bringe meinen Shit in Ordnung, lerne ein bisschen, esse nebenbei, trinke viel zu viel Kaffee und im Hintergrund läuft (hier unsichtbar) der Fernseher als Geräuschkulisse. Gut, dass mein Kind das nicht weiß.

Sonntag, 22. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #20

Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.


Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals.

Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.

Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.

Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.

Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.

Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.

Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.

Dienstag, 17. Mai 2016

Gut zu Fuß!



Oder eben auch nicht. Meinen Füßen, diesen Plagen, die mir und anderen Frauen meiner Familie damals mithilfe von Rattenblut und nackten Tänzen in Vollmondnächten von einer alten buckligen Frau mit Hakennase und Vollbart angehext wurden, damit wir nicht zuuuu schön würden (ähem ähem), geht es gar nicht gut. Sie wurden diese Woche nicht nur von zwei Vierjährigen als "voll hässlich und schief" bezeichnet (Nie wieder barfuß im Sandkasten!), sondern auch wegen meiner Laufschwierigkeiten der letzten Monate zum Arzt geschleppt, der sie mit entsetztem Blick und auch ein bisschen Anerkennung ("Solche Füße, in so jungen Jahren!") zum Chirurgen schickte, wo man ihnen demnächst noch mehr Aufmerksamkeit schenken und sie hoffentlich erfolgreich behandeln wird.

Was mir im Moment die meisten Sorgen macht, ist, dass ich so nicht arbeiten kann und sich das diesen Monat ziemlich deutlich aufs Konto auswirken wird. Sehr unschön.
Samstag, 7. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #19

Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.

Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.

Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.

Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.




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