Samstag, 26. März 2016

Samstagskaffee - Woche #13

Was für eine Woche, die hinter mir liegt!

Ich bin quasi im Zickzack durch die Stadt gehetzt, habe mich zwischen Arbeit, Bibliothek, Stadtarchiv und natürlich Kind zerteilt, nebenbei mit dem Einschreibe-Tool gehadert, das wie immer nicht tut, was es soll. Im Studienverlauf fehlt mir nicht mehr viel im Hauptfach, eigentlich nur das Mittelalter. Leider kann ich mich gerade dort noch nicht einschreiben, wegen Verwicklungen von vor drei Jahren, die jetzt hier zu weit gingen. Aber ich hab es ja schon mehrmals erwähnt - für Historiker gehen die Uhren etwas anders. Was ist schon eine Woche, wenn man normalerweise in ganz anderen Epochen denkt?

Das sorgt manchmal auch für schizophrene Anflüge. Beim Zeitunglesen im Archiv vergaß ich kurz, dass ich mich im Jahr 1889 befand, und stutzte über die Schlagzeile "Neunter Frauenmord in Whitechapel". Schon wieder? Ach, Moment. Es ist wirklich schwer, sich auf den wissenschaftlichen Tunnelblick zu besinnen und nicht zum Beispiel den neuesten Klatsch und Tratsch aus Europas Herrscherhäusern zu verfolgen.

Vom Unikram (Hausarbeit erwähne ich schon gar nicht mehr) abgesehen, war meine Woche aber äußerst produktiv. Ich habe mich wieder frisch für eine Idee begeistert, die mir seit über einem Jahr im Kopf herumspukt, und stecke jetzt mitten in den Planungen. Zuviel soll hier nicht verraten werden, nur: Ich werde demnächst unter Beweis stellen müssen, ob ich meine guten Noten in Werken wirklich verdient habe. Und dann so:




Ich habe sogar Listen (Yaaay), Konstruktionspläne (yaay) und Skizzen (Woohoo) angelegt, Flächen berechnet, Baumaterialien verglichen, Lieferanten herausgesucht und und und.

Donnerstag, 24. März 2016

Ostern in der Oberlausitz

Letztens habe ich erwähnt, dass ich als sächsischer Eingeborener meine Heimat sehr mag, mit all ihrer kulturellen Vielfalt und den Traditionen, die ich mir nicht von rassistischen Mobs und anderen Idioten kaputt machen lassen möchte. Mein Mann, seines Zeichens Preuße und eingefleischter Kulturbanause, musste über diesen Satz sehr lachen und konnte sich nicht vorstellen, was ich mit "kultureller Vielfalt" meine. Nun kann man es ihm nicht ganz verdenken, weil er a) eine topographische Niete ist und bisher nicht wusste, dass zum Beispiel Erzgebirge und Vogtland in Sachsen liegen und b) in Leipzig wohnt, wo es mehr Zugezogene als Sachsen gibt und allgemein viele der Bräuche, die ich aus meiner Kindheit kenne und damit meinte, gar nicht gibt.


via commons.wikimedia.org, CC-BY-SA 2.0


Ich komme aus der Oberlausitz, und zwar mitten aus dem Herzen. Die sächsische Oberlausitz umfasst die Landkreise Bautzen und Görlitz, dann gibt es noch kleinere Teile in Polen und Brandenburg. Hier gab es bis vor hundert Jahren noch Landstriche mit ausschließlich sorbischer Bevölkerung, die oft ausschließlich sorbisch sprach. Die Sorben sind in der sächsischen Verfassung als schützenswerte Minderheit verankert, haben viele Sonderrechte und eine Interessenvertretung, die Domowina. Wer durch die Oberlausitz fährt, dem fallen meist die zweisprachigen Ortsschilder auf, und die deutschen Ortsnamen haben fast alle slawische Ursprünge (Leipzig auch, übrigens). Die Sächsische und besonders die Geschichte der Lausitz sind eng mit den Sorben, mit der böhmischen und schlesischen Geschichte verknüpft.

Obwohl ich also selbst keine Sorbin bin, waren die Sorben eine prägende Kraft in meiner Kindheit. Im Kindergarten haben wir Vogelhochzeit gefeiert, sorbische Hematmuseen besucht und die berühmten Ostereier bestaunt. Als Kind habe ich mich für Sagen und Märchen begeistert, und fast alle Oberlausitzer Sagengestalten sind sorbischen Ursprungs, vom bekanntesten Märchen, Krabat, ganz abgesehen. Sie sind verbunden mit realen Orten, Landschaften, Bergen, und immer, wenn ich von Leipzig aus mit dem Zug nach Osten fahre, freue ich mich, wenn die ersten vertrauten Ansichten auftauchen.


via commons.wikimedia.orgCC-BY-SA 2.0


Und weil ich nunmal ein Frühlingsmensch bin, haben es mir auch die Frühlings- und Osterbräuche am meisten angetan. Ich liebe die kleinen gebackenen Vogelnester, die man im Januar bei allen Bäckern kaufen konnte, die kunstvollen Ostereier, die Reiterprozessionen - und egal wem ich hier davon vorgeschwärmt habe, ob meinem Mann, Freunden oder den armen Bäckern, immer wurde ich nur verständnislos und ein bisschen mitleidig angesehen. Aber genug der Schwärmerei - was macht denn nun Ostern in der Oberlausitz so besonders?

Sonntag, 20. März 2016

Kindergeburtstag

Nun sind es also drei Jahre. Was hat sich getan?





Vor drei Jahren kam ich zu Hause an, mitten im Schneesturm, mit einem schlafenden Baby im Gepäck, und wusste plötzlich nicht mehr, was ich tun soll. Ich war nur drei Tage im Krankenhaus geblieben, schließlich war ich bereits zwei Minuten nach der Geburt wieder aufgestanden, es bestand also kein Grund, mich länger als nötig ins Bett zu verbannen. Wie immer, wenn ich Fremde um mich hatte, kam ich mir fehl am Platz vor, konnte meine Bettnachbarin nicht ausstehen, und ihr besserwisserischer Mann ging mir auf die Nerven. Ich wollte allein sein und mich in Ruhe an das kleine Menschlein gewöhnen. In den ersten Wochen kam auch regelmäßig meine tolle Hebamme vorbei, sodass ich zwar immer noch ratlos und verwirrt, aber wenigstens nicht auf mich allein gestellt war.

Wenn ich mir meinen Sohn heute ansehe, bin ich sehr stolz. Nach der Verzweiflung, der Erschöpfung und der Ratlosigkeit der ersten Monate habe ich heute ein Kind, das selten krank ist, alles isst, wissbegierig und aufmerksam und generell einfach lieb ist. Er macht es mir leichter, alles unter einen Hut zu bringen. Ich merke zwar deutlich, wie viel schwerer das (Studenten-)Leben ist, wenn man Kinder hat. Die Einschränkungen, der Mehraufwand sind da, und jeder Vormittag, den ich mir mal für mich nehmen kann, ist Gold wert.

Aber: Seit ich wieder studiere, bin ich zielstrebiger geworden, konzentrierter und organisierter. Ich plane meine Semester nicht nur in Hinblick auf passende Tagesabläufe ohne fünfstündige Pausen, sondern auch auf den Studienabschluss, den ich wahrscheinlich sogar in der Regelstudienzeit schaffen werde. Das hat auch den Grund, dass ich im Master wieder Bafög-Anspruch habe (Bafög! Wuhu!), aber vor allem damit, dass ich mir Gedanken darüber mache, welches Umfeld ich meinem Sohn bieten möchte. Dass ich ihm auch Vorbild sein will. Vorbildsein: das ist das Erschreckende am Elternwerden, dass man plötzlich aufpassen muss, ein gutes Vorbild zu sein. Ständig zum Nach- und Überdenken gezwungen ist. Das ist unglaublich beängstigend.

Auf ins nächste Jahr!
Samstag, 19. März 2016

Samstagskaffee - Woche #12

Wir waren im Kindergarten!

Zusammen mit anderen Eltern. Eine sehr skurrile Situation - alle wissen, dass es nur diesen einen Platz gibt, und alle wollen ihn. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man müsse jetzt beweisen, wie sehr man ihn verdient hat, muss ein bisschen engagierter als die anderen sein, ein bisschen bedürftiger. Natürlich entscheiden am Ende Prioritäten und festgelegte Kriterien, nicht die Sympathie, aber das Gefühl bleibt.

Den größten Teil der Woche habe ich in Bibliotheken und Archiven verbracht, mich geärgert und prokrastiniert, Fliegen an der Wand angestarrt und Stichpunkte in den Computer gehämmert. Wie immer wird der richtige Workflow erst auf den letzten Metern einsetzen, bis jetzt wälzt sich die Hausarbeit wie ein zäher Klumpen vorwärts. Die relevante Literatur ist über Zweigstellen in ganz Leipzig verstreut, und sich durch "digitalisierte", also eigentlich nur abfotografierte Medien zu wühlen, ohne einfach Strg+F drücken zu können, kostet Zeit, Zeit, Zeit und Nerven. Kaffeetrinken darf man auch nicht. Meh.

Tweetiebird


Dafür habe ich einen Twitter-Account eingerichtet. Irgendwie habe ich Twitter nie so richtig verstanden, aber wenn man sich ein paar Stunden damit befasst. Und immerhin hatte ich nach zwei Stunden den ersten Follower, helau. Lustigerweise wollte ich nur einem Leipziger Blog über Bier folgen, und stellte dann fest, dass es sich um einen Bekannten meines Mannes handelt. Leipzig ist eben, das stell ich immer wieder fest, ein Dorf. Genauso habe ich über Twitter festgestellt, dass meine Arbeitskollegin Louise eine Leipziger Bloggerin und Slammerin ist. Zum weiteren Stalken von nahen und entfernten Bekannten bin ich nicht gekommen, und viel hab ich auch noch nicht getwittert, für meine nach drei Tagen schon drei Follower.

Und hier ist er, der erste Tweet:




Leselust


Es ist Buchmesse. Früher mochte ich die Buchmesse. Heute mag ich nur noch die vielen Veranstaltungen drumherum, in der Stadt, in Clubs, in Cafés, alles dreht sich ums Lesen, und das ist toll. Lokale Autoren, Verlage, Künstler, intelligente und schöne Menschen treffen sich und teilen ihre Freude am Lesen. Die Messe selbst ist mir zu teuer, zu voll, zu Manga.

Um tatsächlich zu Veranstaltungen zu gehen, so gern ich das auch tun würde, bin ich meistens zu beschäftigt. Am Wochenende arbeite ich, dann hab ich ja auch noch mit Uni (Hausarbeit!) und Kind zu tun, es will einfach nicht klappen, dass ich mal einen Abend frei habe. Vielleicht nehme ich trotzdem ein paar Lesungen mit, und wenn, dann definitiv eine von denen:

  • Julius Fischer, der einzige ernstzunehmende Promi im MDR, liest in der Zentralbücherei für Blinde (19. März, 16:00). Das erste mal von Julius Fischer gehört habe ich noch in meiner Schulzeit, als ich die Schul-Lesebühne mitorganisiert habe. Mein absoluter Lieblingswitz, den ich bis heute des öfteren zitiere, stammt von ihm: "Ich male ein Bild aus Kot und Kaffeesatz und nenne es: Der Morgen in mir.".
    Poesie.
  • Sputnik LitPop im Neuen Rathaus, u.a. mit einer meiner Lieblings-YouTuberinnen und vielen anderen interessanten Schreiberlingen. 19. März, 18:00.
  • Nacht der Lesebühnen im UT Connewitz, 20. März, 20:00. Präsentiert von LiveLyrix mit den üblichen Verdächtigen, deswegen ein schöner Abschluss, wenn man es sonst nirgends hinschafft.
Dienstag, 15. März 2016

#ltwlsa

Sachsen-Anhalt, du Miststück. Nicht, dass ich die große Hysterie, die jetzt zum Teil ausbricht, unterstützen möchte, ich bin mehr der Ansicht, dass eine Partei, die kein einheitliches Profil und schon gar kein einheitliches Programm hat, sich vermutlich in der Bewährungsprobe ziemlich auf die Schnauze legen wird. Mich ärgert vielmehr, dass die "Protestwähler", die jetzt denken, sie hätten es irgendwem "gezeigt", offensichtlich nicht daran gedacht haben, dass eine Landtagswahl mit dem, was sie eigentlich wollen (böse braune Menschen raus) rein gar nichts zu tun hat.

Ich bin ja großer Fan von Landes- und Kommunalpolitik, und denke, beides wird extrem unterschätzt und missachtet. Gerade auf Landesebene fallen so viele Entscheidungen, die direkten unmittelbaren Einfluss auf das Leben der Menschen haben (Bildung, Kultur, Infrastruktur etc.), dass man sie auf gar keinen Fall irgendwelchen Kaspern überlassen sollte, die die nächsten Jahre dafür nutzen werden, für Krawall zu sorgen und Entscheidungen aus einer Laune heraus zu blockieren. Der gesamte Wahlkampf der AfD hatte nichts, wirklich nichts mit Landespolitik zu tun, es wurde den Leuten vermittelt, man könne jetzt und hier über die Zukunft ganz Deutschlands entscheiden, wichtige Fragen, die Sachsen-Anhalt beschäftigen sollten, wurden nicht gestellt und interessieren auch offensichtlich nicht, weder die Wähler noch die Gewählten.

Diese ganze "Protestwahl"-Aktion ist einfach nur eine sinnlose Demonstration von Dummheit, und so etwas macht mich wahnsinnig. Dummsein und dann noch nicht nachdenken, das ist die schlimmste Kombination, die ich mir vorstellen kann.





Nun, wir werden sehen. Schließlich saß auch die NPD schon in Landtagen, und bis auf lustige Youtube-Videos ist dabei nichts rausgekommen.

Samstag, 12. März 2016

Samstagskaffee - Woche #11

Das bisschen Hausarbeit schreibt sich von allein...

Dann war ich im Stadtarchiv. Das erste Mal in meinem Studium, was skandalös ist, denn es gibt so viel zu sehen und für Studenten, die eine entsprechende Bescheinigung vorlegen können, ist die Benutzung umsonst. Für meine Hausarbeit habe ich mir Lokalzeitungen aus den 1890er Jahren vorgenommen, und wenn der Zeitdruck nicht gewesen wäre, hätte ich stundenlang lesen können. Für's Thema war es mäßig ergiebig, aber ausreichend, hoffentlich.

Ostergruss


Herr F. hat sich anstecken lassen von meinem Frühlingswahnsinn. Er freut sich auf Ostern fast noch mehr als auf seinen Geburtstag, und erzählt mir oft, was er seiner Lieblingscousine alles erzählen will (meistens geht es um Autos), was er dem kleinsten Cousin alles mitbringen möchte (zum Beispiel sein Lieblingsshirt, das nicht mehr passt), und lässt sich von mir Osterbräuche erklären. Dabei verzettel ich mich meistens in religiösen Grundsatzdiskussionen, wie neulich, als er mich nach dem Kopftuch einer Frau in der Bahn fragte, aber irgendwie schaffen wir es meistens zu einem Schlusspunkt, der für ihn Sinn macht. Anders lief es mit dem Frauentag, an dem er sehr enttäuscht war, als doch keine Frauen zu Besuch kamen.

Das mit der Auferstehung habe ich ebenfalls angerissen, aber dann vermischte sich das irgendwie mit seiner Grundangst - dass irgendwann die Dinosaurier wiederkommen und alles auffressen - und ich musste doch zugeben, dass der Tod relativ endgültig ist, was ihn beruhigte, aber verwirrte, und dann habe ich doch alles auf den Osterhasen abgewälzt. Gut, dass wir den Platz im christlichen Kindergarten nun doch nicht bekommen haben, das hätte einige unangenehme Elterngespräche gegeben.

Jedenfalls haben wir dann beschlossen, für die Tagesmutter einen kleinen Ostergruß zu basteln. Dafür durfte er Moos sammeln - wenn Dreijährige etwas können, ist es, Naturmaterialien in allen Variationen zu sammeln - und dann zusammen mit einer Narzissenzwiebel in ein Töpfchen drücken. Damit die Zwiebel keimt, habe ich sie noch mal aufs kalte Fensterbrett gestellt, und am Montag zieht sie dann zu den kleinen Käfern um.

Leseecke Leipzig


Es ist noch nicht Buchmesse, aber gibt auch jetzt schon viel zu lesen in Leipzig:



Zum Frauentag:

Samstag, 5. März 2016

Samstagskaffee - Woche #10

Kennen Sie das, unter der Dusche zu stehen, vollkommen in Gedanken, denn es ist ja früh am Morgen, man überlegt schon mal, was man anzieht und ob man sich vielleicht auch irgendwann mal wieder die Beine rasiert, und plötzlich fällt ebenjene Dusche mit einem lauten Krachen in sich zusammen? Wahrscheinlich nicht. Ich wünsche es auch niemandem.
Genau das passierte mir am Montag, was sehr schlechtes Timing war, denn ich war a) verkatert, b) hatte sich der Heizungsmann für halb 8 angesagt und ich musste folglich schon um 7 duschen und c) war ich furchtbar verkatert.

Apropos Kater:

Ziggy Stardust, die Katze mit Bart.



Verkatert war ich deswegen, weil ich auf "ein" Feierabendbier mit meinen Kollegen zusammensaß. Und weil es so nett war und ich den ganzen Sonntag noch nicht dazu gekommen war, mich mal kurz hinzusetzen (ich mag Pausen eigentlich nicht), saß ich da so und das Glas füllte sich auf magische Weise wieder auf. Den Abend davor hatte ich bereits mit einer Freundin bei "einem" Wodka Lemon verbracht, um ihren neuen Job zu feiern, und kurz gesagt war der Montagmorgen nicht mein bester Freund. Dann kam das mit der Dusche, und da hatte ich schon keine Lust mehr auf die Woche. Außerdem war es der 29. Februar - ein Tag, der gar nicht existieren dürfte. Zu Recht, sag ich.

Shopping


Ein Gutes hatte das Erlebnis: Ich musste in den Baumarkt. Ich liebe Baumärkte. Als ich das erste Mal im Baumarkt war, um Schrauben zu kaufen, kam ich mit Balkonblumen, Bilderrahmen und einem Kerzenständer zurück. Mein Kind besitzt eine Kuscheldecke mit Autos, die wir im Baumarkt gekauft haben. Warum hat mir nie jemand gesagt, wie toll Baumärkte sind? Es macht fast so viel Spaß wie bei Ikea, nur dass mich bei Ikea immer der Neid auf anderer Leute Wohnung packt, während ich im Baumarkt einfach Lust habe, ganz viel an meiner Wohnung zu verbessern, und überlege, ob ich ein Schleifgerät kaufe und meinen Küchenschrank neu streiche.

Herr F. mag Baumärkte auch. Bei unserem letzten Besuch haben wir ihm eine große Schraube und drei unterschiedliche Muttern (Sechskant-, Hut- und Flügelmutter) gekauft, und er ist sehr sehr glücklich damit. Zufriedenes Kind für knapp 50 Cent.

Überhaupt war mein Kind äußerst liebenswert diese Woche. Ich habe ihm beigebracht, wie man Fenster putzt, und jetzt bettelt er schon, wann er das das nächste Mal darf und was er als nächstes putzen kann. Wahrscheinlich habe ich doch auch ein paar Sachen richtig gemacht mit ihm. Auch freut er sich wahnsinnig auf seinen Geburtstag und bereitet mit mir zusammen seinen Umzug ins Kinderzimmer vor. Er hat auch eingesehen, dass man mit drei ein großer Junge ist und ins Töpfchen pullern muss - oder an Bäume, was seine liebste Beschäftigung im Sommer ist.

Altersgebrechen


Außerdem: Nachdem mir mein Gatte, der gelernter Optiker und seit vierzig Jahren Maulwurf ist, geraten hat, meine in letzter Zeit etwas unscharf gewordenen Augen mal ärztlich untersuchen zu lassen, verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, mich von diversen Sprechstundenhilfen abwimmeln und vollnölen zu lassen, und ging dann einfach zu dem freundlichen Optiker um die Ecke, der im Winter recht oft Besuch von uns bekommen hatte, weil er eine Eisenbahn in seinem Schaufenster fahren ließ. So ködert man Eltern.

Ergebnis: Ich werde alt. Was mir die grauen Haare, die ich seit fünf Jahren immer wieder auszupfe, und die falschen Zähne bisher nur zugeflüstert haben, gab es jetzt schwarz auf weiß. Nach der 25 geht es bergab, sagte meine Biologielehrerin einst. Ach, ach.

Lesenswert


  • John Oliver, einer meiner liebsten Late-Night-Erklärbären, über Donald Trump. Noch sehenswerter, beschämender und für mich gerade in Hinblick auf die extreme Divergenz zwischen Stimmung in der Bevölkerung und staatliche Machtausübung überraschender ist übrigens seine Folge über Abortion Laws.
  • Wer mal wissen möchte, womit ich mich gerade für meine Hausarbeit beschäftige - oder einfach mal was über Leipzigs koloniale Vergangenheit wissen wollte.
  • Und damit es nicht ganz so deprimierend endet: Leipzigs letzter Schneemann.

Freitag, 4. März 2016

Sonntagsfrühstückshefezopf

Letztens hatte ich einen Supermutti-Anfall und habe nicht nur zusammen mit Herrn F. die Fenster geputzt (das erste Mal seit vier Jahren. Ähem.), sondern auch zum Frühstück einen frischen, süßen Hefezopf gebacken.





Eigentlich macht das gar nicht so viel Arbeit. Den Teig habe ich abends vorbereitet und morgens vor der Arbeit schnell fertiggebacken - und der Zopf war einfach göttlich. Fluffig, süß, leicht zitronig und auch am nächsten Morgen noch lecker. Er reichte locker für beide Tage, obwohl Herr F. auch zur Vesper noch einmal zwei Scheiben verdrückt hat.


  • 500g Mehl
  • 200ml Milch
  • 80g Butter
  • 1 Würfel Frischhefe
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
  • 100g Zucker
  • Vanille, Zitronenschale nach Belieben

Milch erwärmen, Butter darin schmelzen. Die trockenen Zutaten mischen, die Hefe dazubröckeln und dann die flüssigen Zutaten dazugeben. Alles so lange es die Arme hergeben durchkneten (oder gleich ein Rührgerät nutzen) und abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Morgen sollte er etwa das doppelte bis dreifache Volumen erreicht haben. Ordentlich durchkneten und zu einem Zopf flechten. Nochmals eine Viertelstunde bei Zimmertemperatur gehen lassen, dann mit Milch bestreichen (eventuell mit Mandeln bestreuen) und ohne Vorheizen (!) in den Ofen schieben. Bei 200° etwa 35 Minuten backen.

Donnerstag, 3. März 2016

Sächsische Verhältnisse.

Zur Zeit wird viel geschrieben über Sachsen, vor allem von Leuten, die nicht aus oder in Sachsen sind. Es wird viel analysiert, viel karikiert und pauschalisiert, und meistens drängt sich mir der Eindruck auf, man sei froh, endlich einen Bevölkerungsteil zu haben, an dem man all die rassistischen Entgleisungen, die sich derzeit über Deutschland entladen, festmachen kann, und gleichzeitig alles loswerden, was man "dem Ossi" schon immer mal sagen wollte.

Ja, Sachsen hat ein Rassismusproblem. Es gibt viel, was hier seit Jahren schief läuft, viele Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass sich dieses Problem so festsetzen konnte. Ich bin selbst manchmal erschrocken darüber, wie fest es sitzt, wie eng es mit dem Staat und seinen Institutionen verflochten ist, und wie deutlich es sich bemerkbar macht. Besonders die deutliche Differenzierung bei Demo-Auflagen finde ich im besten Falle bemerkenswert. Rechte Demos, egal wie gewaltbereit in der Vergangenheit, dürfen beinahe ungestört quer durch die Stadt marschieren und Woche für Woche den Ring lahmlegen, während die Gegenproteste unverhältnismäßig durch Auflagen eingeschränkt werden, zum Teil nicht einmal gleichzeitig zur Demo stattfinden dürfen und ohne Konsequenzen für die Täter angegriffen und bedroht werden.

Und dass das keine Zufälle sind, wird in dieser Bundestags-Rede sehr deutlich gesagt:



"Der rechte Mob fühlt sich in Sachsen in Sicherheit - das ist ...
Nein, Clausnitz und Bautzen sind keine Einzelfälle. Das ist sächsische Normalität. Sie ist das Ergebnis von 25 Jahren bewusster CDU-Politik. Das habe ich in meiner Rede in angemessener Deutlichkeit gesagt.
Posted by Michael Leutert on Mittwoch, 24. Februar 2016


Ich liebe meine Heimat, wirklich, ich bin als Sachse normalerweise ziemlich patriotisch. Sachsen hat einzigartige Landschaften, kulturelle Vielfalt, eine reichhaltige und großartige Geschichte, Spitzenplätze auf allen Ebenen der Bildung, und tausend verschiedene regionale Besonderheiten und Traditionen.
Aber jetzt gerade eben schäme ich mich für das Bild, das meine Heimat in den Medien abgibt, und das, bis auf die scheußlichen Versuche des Sächselns, die sich westdeutsche "Komiker" gerade geben, einfach nicht mehr so leicht zu widerlegen und abzutun ist. Na klar, Sachsen ist nicht das einzige Bundesland, in dem es solche Auswüchse gibt.

Aber macht es das wirklich besser?

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