Samstag, 19. November 2016

Samstagskaffee - Woche #whocares

Dieses Jahr hat mich der Herbst-Blues frontal erwischt. Eigentlich mag ich Herbst, ich mag die trübe Stimmung und die abfallenden Temperaturen, die bunten Blätter und den erdigen Geruch in der Luft. Der Lichtmangel hat mir noch nie etwas ausgemacht, eigentlich mochte ich es bisher auch, nur im Kerzenschein am Esstisch zu sitzen oder nach der Arbeit durch die Dunkelheit nach Hause zu radeln.


(c) getty images via wetter.at


Dieses Jahr aber wurde mit dem Tageslicht auch meine Stimmung düsterer, ich schlafe schlecht, kann mich kaum motivieren, möchte mich am liebsten von Schokolade ernähren und den ganzen Tag auf dem Sofa vergammeln, wo ich dann vor mich hinbrüte und mich ärgere, dass ich so nutzlos und faul bin.

Dazu kommt die Gereiztheit. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und hasse nichts mehr als Leute, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Zur Zeit allerdings fällt mir das deutlich schwerer als sonst, ich könnte bei Kleinigkeiten explodieren und reagiere auf jede noch so winzige Provokation. Unnötig zu erwähnen, dass da ein Dreijähriger mit verbal zelebrierter analer Phase nicht direkt der beste Umgang ist.

Zu saisonalen Depressionen gibt es allerlei Forschung und Meinung, angeblich soll Lichttherapie oder gar Solarium helfen. Mir persönlich würde vermutlich am meisten helfen, wenn ich irgendwann mal wieder gesund wäre, jemand meine Wohnung putzen würde und sich mein Konto auf magische Art und Weise im Plus halten könnte. Und dann könnte 2016 auch aufhören, einfach nur immer beschissener zu werden und einen großen Menschen nach dem anderen zu killen. Ich habe ehrlich Angst um Bob Dylan.




Und die Arbeit? 


Läuft, läuft. Ich habe bald bessere Schichten, mehr Stunden und mehr Geld. Das verdanke ich ironischerweise einer Kollegin, die aufhört, weil sie - man höre und staune - eine Stelle als Historikerin gefunden hat und nicht mehr kellnern muss. Wunder geschehen, people, es ist nicht alles verloren. Jetzt übernehme ich also ihre Muttischicht unter der Woche, und gebe dafür die Bar am Wochenende ab.

Ein bisschen werde ich die Sonntagsfrühstücker vermissen, das ist schon eine sehr eigene Stimmung. Andererseits sollte jeder, der sonntags Punkt zehn frühstücken geht und sich die Nase an Fensterscheiben des Restaurants plattdrückt, während die Angestellten doch nur in Ruhe ihren Kaffee austrinken wollen, bis die doofen Gäste reingelassen werden müssen, einen grausamen Kältetod sterben, aber das ist wohl nur wieder dieser Pessimismus, der mir ständig unterstellt wird. Wenigstens mein Kollege ist traurig, dass er jetzt sonntags nicht mehr meine schlechten Witze hören darf, und sucht nach einem passenden Ersatz, der ihn wegen seiner Herkunft (Baden-Württemberg) diskriminiert.

Und die Uni?


Läuft, läuft. Ich versuche mich in Themen für meine Bachelorarbeit einzulesen, mit dem Erfolg, dass die Fragestellungen immer mehr und immer differenzierter werden, aber gleichzeitig sind alle Ansätze so furchtbar spannend, dass ich mich immer weniger für nur einen entscheiden kann. Es ist nicht immer leicht.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Tagträumer-Trauma

(c) Bespoke Laser


Ich bin ein ewiger Schlendrian. Je älter ich werde, desto besser wird es, ich organisiere mich, ich hefte ab, ich erstelle tausend Reminder und arbeite effektiver und gründlicher und und und... stehe regelmäßig vor einem riesigen Berg an Unerledigtem, bekomme plötzlich einen Schock, weil ich diese eine wichtige Sache vergessen habe, und höre sofort die Stimme meiner Mutter, die mir wieder und wieder predigt, ich solle nicht so viel vergessen. Deadlines, Unterlagen, immer wenn ich denke, ich hätte alles im Griff, kommt etwas, das ich nicht auf dem Schirm hatte und das alles über den Haufen wirft.

Schon als Kind war ich ein Träumer, nie ganz in der Realität, sondern immer ein bisschen neben der Spur. Solange ich zurückdenken kann, war "Ach, die Marianne..." ein gängiger Seufzer in meiner Umgebung und ist es bis heute. Auf Kinderfotos starre ich in die Luft, mit glasigen, aufgerissenen Augen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Sohn hat exakt den selben Blick, nur sind seine Augen leuchtend blau statt braun.

Ich bin froh, dass ich auf dem Dorf aufwachsen durfte. Überall sonst wäre ich hoffnungslos verloren gewesen, wäre ohne nachzudenken mit jedem Fremden mitgegangen oder hätte einfach vergessen, wo ich bin. Auch heute bleibe ich größtenteils aus Angst in Leipzig, mich anderswo nicht zurechtzufinden, was Quatsch ist, weil ich in allen Städten bisher festgestellt habe, dass ich mich schon nach kurzer Zeit viel besser orientieren konnte als meine jeweiligen Begleiter.

Diese Woche warf ich einen Blick in die Prüfungsordnung und erschrak, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass ich längst ein Latinum nachweisen müsste, um die Bachelorarbeit beantragen zu können. In meinem eigenen Plan habe ich es aber frühestens nächstes Semester. So etwas wirft mich immer aus der Bahn, wieso habe ich das auch aufgeschoben, warum habe ich nicht eher nachgelesen, was sage ich nur meinem Betreuer, was meinen Freunden und Familie, und warum warum warum bin ich nur immer so vergesslich.




Das Wichtigste, was ich im Studium bisher gelernt habe, ist: Alles halb so schlimm. In Wirklichkeit sitzen in der Uni keine Paragraphenreiter und Bürokraten, sondern Menschen, mit denen man reden kann. Von anderen Fakultäten habe ich schon anderes gehört, aber Geisteswissenschaftler sind ja immer ein bisschen anders. Vielleicht sind unter ihnen genug Trödler und Träumer, oder vielleicht wissen sie, dass es Wichtigeres gibt als Konformität, oder vielleicht haben sie einfach nur kein Interesse daran, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. In jedem Fall hören sie sich das Problem an, winken ab und sagen "Das passt schon."

Und auch wenn  ich jedes einzelne Semester ankomme, kam bisher noch keiner auf die Idee zu sagen: "Ach, Frau Ziegenbalg... seien Sie doch nicht immer so vergesslich!"
Freitag, 21. Oktober 2016

Welcome, WS 16/17

Es ist geschafft, das fünfte Semester - mit nur drei Wochen Verspätung (*hust*) habe ich heute die letzte Hausarbeit abgegeben.

Ja, schon wieder Verspätung.

Ja, Studieren mit Kind kann einem ganz schön die Planung zerhauen.

Nein, ich bin wie immer nicht zufrieden. Aber wenn jetzt jemand kommt und fragt, wie eigentlich die sächsischen Staatsfinanzen unter Friedrich dem Weisen aussahen, kann ich zumindest eine halbstündige Antwort geben. Und nebenbei meine etwas weirde Begeisterung für Verwaltungsgeschichte kundtun.

Außerdem bin ich immer noch nirgends eingeschrieben, unter anderem deswegen:



Aber das macht nichts, denn eigentlich habe ich fast alle Credits zusammen, und die Bachelorarbeit rückt tatsächlich langsam in greifbare Nähe. Mein Wunschbetreuer ist (fast) überzeugt, ein Thema zumindest grob umrissen, und wenn ich es jetzt noch schaffe, mein Latinum zu bestehen, darf ich mich in gerademal zehn Monaten Bachelor of Arts schimpfen und muss nie wieder meiner Mutter die Frage beantworten, ob das mit dem Studium denn jetzt auch wirklich nicht zu schwer für mich ist.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Semesteranfang

Plagwitz halt.

Es ist, wie es immer ist: Mein Leben ist zu schnell, die Tage zu vollgestopft, um abends auch noch zu bloggen, ich bin ruhelos und gehetzt. Heute verirrte ich mich auf den Campus, um in Ruhe meine Hausarbeit weiter zu schreiben, und fand mich plötzlich mitten in der Erstsemester-Einführungswoche, zwischen pickeligen Großkotzen und Mädchen mit Zahnspangen, alles war voller Geschnatter und Gekicher und "Meeegaaa!"-Rufen und prallen Primark-Tüten, und ich fragte mich nicht nur, wann ich eigentlich so furchtbar alt geworden bin, sondern auch, seit wann Studienanfänger so dumm sein dürfen.

Alle Gespräche, die ich hören musste, kamen mir so schrecklich oberflächlich vor, über den coolen Ruf Leipzigs und süße Schuhe und noch süßere Dozenten, über die Tücken des ersten eigenständigen Wäschewaschens und was man später mal werden will.

Irgendwann gelang es mir, das Hintergrundgeräusch balzender BWL-Anfänger auszublenden und tatsächlich fünf Seiten zu schreiben, drei Seiten ohne Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, und verzog mich nach ein paar Stunden deprimiert in die Mensa.

Nebenbei schrieb die Fakultät mir, dass ich das Modul, das ich eigentlich belegen wollte, nicht belegen dürfe, sodass ich ohne Plan und ohne für eine einzige Prüfungsleistung angemeldet zu sein in mein 6. Fachsemester starte. Da die dazugehörige Vorlesung allerdings von dem Professor gehalten wird, bei dem ich auch gerne meine BA schreiben will, werde ich trotzdem hingehen.

Mittwoch, 7. September 2016

Einschub

Eine bittere Erkenntnis brachte die Woche: Man kann in Menschen nicht hineinsehen.
Man kann ihnen nicht ansehen, anmerken oder vorausahnen, wozu sie fähig sind. Und manchmal ist es nur Zufall, ob man es jemals herausfindet.
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